Sprachen an der Grenze: Dänisch, Südjütisch und Nordfriesisch
Der Norden Schleswig-Holsteins ist mehrsprachig geprägt. Besonders deutlich wird das an der deutsch-dänischen Grenze. Neben Deutsch und Dänisch werden hier Niederdeutsch, Südjütisch und Nordfriesisch gesprochen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Sprachformen.

Flensburg als Stadt der Grenze
Flensburg liegt im Norden Schleswig-Holsteins am inneren Ende der Flensburger Förde, nahe der dänischen Grenze. Es ist die nördlichste kreisfreie Stadt Deutschlands und das Zentrum der dänischen Minderheit in Südschleswig. Der dänische Name der Stadt lautet Flensborg.
Neben Deutsch und Dänisch sprechen manche Einwohner Niederdeutsch und Petuh. Mehrsprachigkeit gehört hier zur Geschichte und zum Alltag. Sie ist geprägt von der Lage der Stadt zwischen zwei Kulturen.
Südjütisch: ein Dialekt auf beiden Seiten
Sønderjysk oder Südjütisch ist ein dänischer Dialekt, der historisch auf beiden Seiten der heutigen Grenze gesprochen wurde. In Deutschland hat er sich nur in einigen Gemeinden in einem schmalen grenznahen Streifen zwischen Flensburg und Niebüll gehalten.
Südjütisch gilt als gefährdet, weil Standarddänisch und Hochdeutsch mundartliche Ausdrücke zunehmend verdrängen. Ob ein Dialekt überlebt, entscheidet sich im Gespräch zwischen Menschen und nicht in sprachwissenschaftlichen Beschreibungen.
Nordfriesisch: Dialekte von der Nordsee
Nordfriesisch ist eine Gruppe friesischer Dialekte. Gesprochen wird es an der Küste des Kreises Nordfriesland, auf den Inseln Föhr, Amrum und Sylt, auf den Halligen sowie auf Helgoland. Bekannte Inseldialekte sind Sölring auf Sylt, Fering-Öömrang auf Föhr und Amrum sowie Halunder auf Helgoland.
Offiziellen Angaben zufolge gibt es 8000 bis 10 000 Sprecher. Da genaue Erhebungen fehlen, sind diese Zahlen jedoch nur Näherungswerte. Die UNESCO stuft Nordfriesisch als ernsthaft gefährdet ein.
Schutz der Sprachen in Schleswig-Holstein
Nordfriesisch ist in Schleswig-Holstein nach der Europäischen Charta als Minderheitensprache geschützt. Das Friesisch-Gesetz von 2004 regelt seinen Gebrauch in der Verwaltung in Nordfriesland und auf Helgoland. Südjütisch ist zwar gefährdet, lebt aber vor allem als Dialekt in Grenznähe weiter.
Die Sprachen der Region zeigen, dass Kultur nicht nur von den Amtssprachen der Staaten geprägt wird, sondern auch von den vor Ort gesprochenen Mundarten.
Minderheiten im Norden
Die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein wird auf rund 50 000 Personen geschätzt. Genau erfasst ist sie nicht, denn die Zugehörigkeit zu einer Minderheit wird nicht registriert. In Südschleswig liegt ihr Anteil bei etwa zehn Prozent, mit großen örtlichen Unterschieden. Die Minderheit lebt vor allem nördlich der Eider.
Das Friesisch-Gesetz von 2004, das der Landtag im November beschloss, fördert Friesisch im öffentlichen Raum und gilt für Nordfriesland und Helgoland. Das Nordfriesische gliedert sich in Festland- und Inselnordfriesisch, zusammen sind es neun Mundarten. Im Schuljahr 2021/2022 wurde Friesisch an zwölf Modellschulen unterrichtet: an neun öffentlichen Schulen und an drei Schulen der dänischen Minderheit. Die Zahlen zeigen, wie viel in Schulen und Verwaltung davon abhängt, ob eine kleine Sprache im Alltag gelernt werden kann.