Petuh aus Flensburg: eine Mischsprache mit Geschichte
Petuh, auch Petuhtantendeutsch genannt, entstand in Flensburg in Schleswig-Holstein und verbindet Hochdeutsch, Niederdeutsch und Dänisch. Ist das noch ein Dialekt oder schon eine eigene Sprache? Dieser Beitrag erklärt, was Petuh ausmacht, woher der Name kommt und wer es heute spricht.

Was Petuh ausmacht
Der Wortschatz ist überwiegend deutsch. Grammatik und Satzbau gehen dagegen zu großen Teilen auf das Dänische und das Niederdeutsche zurück. Petuh wurde deshalb als Dänisch in deutschen Wörtern beschrieben. Wer nur Hochdeutsch kennt, versteht viele Sätze auf Anhieb, obwohl ihr Aufbau von der vertrauten Schulgrammatik abweicht.
Ob Petuh ein Dialekt oder eine Sprache ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten, denn drei sprachliche Systeme greifen ineinander. Eine amtliche Rechtschreibung gibt es nicht, und beim Sprechen werden häufig Vokale weggelassen. Die Schreibweise hängt daher davon ab, wer den Text verfasst. Das ist typisch für Sprachen, die vor allem gesprochen werden.
Woher der Name kommt
Der Name wird traditionell mit den Petuhtanten verbunden: gebildeten Bürgerinnen im Flensburg des späten 19. Jahrhunderts, die sich auf Fähren zum Kaffeetrinken und Plaudern trafen. Viele besaßen eine Dauerkarte, ein sogenanntes Partoutbillet. Petuh soll vom französischen Wort „partout“ stammen, das „überall“ bedeutet. Das passt zu einer Fahrkarte, die für jede Fahrt galt.
Sprecherinnen heißen Petuhtanten, Sprecher allgemein Petuhschnacker. Beide Bezeichnungen zeigen, dass sich um diese Mischsprache eine kleine Gemeinschaft gebildet hat.
Ein paar Ausdrücke
Szünde drückt Bedauern aus und bedeutet ungefähr „wie schade“. Aggewars steht für Ärger oder Durcheinander. Ohaueha kann je nach Tonfall Überraschung, Erleichterung, Schreck oder Zweifel ausdrücken.
Dänische Einflüsse zeigen sich nicht nur im Petuh selbst, sondern auch in den Mundarten der Umgebung, etwa in Angeln und auf der Schleswigschen Geest. Petuh ist damit Teil einer größeren deutsch-dänischen Sprachlandschaft.
Lebt Petuh noch?
Petuh ist heute fast ausgestorben. Gesprochen wird es vor allem von Schauspielern und Laiendarstellern, gelegentlich bei Führungen und lokalen Aufführungen. Als Alltagssprache spielt es kaum noch eine Rolle. Vielmehr gehört es zur regionalen Überlieferung, die von Liebhabern gepflegt wird.
Wer Petuh hört, hört deutsche Wörter in dänischer Satzordnung. Petuh zeigt, wie aus dem Kontakt mehrerer Sprachen eine Mischsprache mit eigenem Humor und eigenen Wörtern entstehen kann.
Die Förde als Bühne
Die Flensburger Förde reicht je nach Zählweise etwa 40 bis 50 Kilometer weit ins Land. Ihr innerer Teil beginnt an der Hafenspitze in Flensburg und endet an der Halbinsel Holnis, danach folgt die äußere Förde bis zur Ostsee. Auf diesem Wasser spielt die Fährgeschichte, aus der sich der Name Petuh erklärt.
Dass Dampfschiffe hier bis heute zum Bild gehören, zeigt das Dampfrundum, ein Fest mit Dampferfahrten und Wettfahrten, das seit 1993 alle zwei Jahre stattfindet. Auch eine Fährverbindung zwischen Flensburg und dem dänischen Kollund wird mit dem Schiff Feodora wieder bedient.
Flensburg zählt mehr als 90 000 Einwohner und lebte lange vom Handel über das Wasser. Im 18. Jahrhundert brachte der Handel mit Dänisch-Westindien Zucker und Rum in den Hafen, und der Rum-Verschnitt ist bis heute eine Flensburger Spezialität. Wer die Mischsprache verstehen will, sollte deshalb auch die Stadt ansehen, in der Deutsch und Dänisch täglich aufeinandertrafen.